Ein Fischerboot und ein neuer Motor für Mbelane

Im letzten Jahr hatten wir bereits dem kleinen abgelegenen Dorf Mbelane geholfen und dort nicht nur etwas Essen gespendet, sondern auch etwas Nachhaltiges geschaffen. Wir hatten im Vorfeld mit dem Dorf gesprochen, was bei ihnen am dringendsten fehlt und es kamen 4 Projekte heraus.

  1. Die Schule und Schüler mit Material unterstützen
  2. Das Krankenhaus mit Ausstattung und Medizin unterstützen
  3. Neue Maschinen für die Verarbeitung von Getreide (Mille) zur Verfügung stellen
  4. Ein Fischerboot zur Erhöhung der Flexibilität und Anschluss an andere Dörfer

Letztes Jahr haben wir bereits zwei Maschinen bauen lassen und dem Dorf zur Verfügung gestellt. So kann das Dorf seitdem ihr Getreide selber verarbeiten zur Eigennutzung und zum Verkauf. Bislang mussten die Frauen nahezu täglich mit ihrem Getreide ins ca. 3.5km entfernte Dorf laufen, dort gegen eine Gebühr ihre Mille mahlen lassen und es wieder zurücktragen… und das bei 35-40 Grad oder in der Regenzeit im bis zu hüfthohen Wasser/Schlamm.

Jetzt haben wir ihnen ein Boot besorgt… und den 12 Schülern der Abschlussklasse einen Schulrucksack mit Schulmaterial sowie ganz viel Druckerpapier gespendet.

Lange haben wir ein passendes Boot gesucht, es sollte ein gut erhaltenes, gebrauchtes und mittelgroßes Boot sein. Dazu waren wir und auch eine Delegation aus Mbelane in mehreren anderen Dörfern und Städten, um nach etwas Passendem zu suchen – das war gar nicht so einfach, denn entweder passte die Größe nicht, aber meistens wollten die Verkäufer einfach übertrieben viel Geld.

Endlich fanden wir etwas Passendes und nach langen, zähen Verhandlungen konnten wir uns auf den Preis von 950.000 CFA (ca. 1450 Euro) einigen, einen Motor hatten wir uns auch schon ausgesucht, den Dank einiger spontaner weiterer Spenden konnten wir sogar einen nagelneuem Motor kaufen. Dieser hat ebenfalls 950.000 CFA plus 15.000 CFA für den Transport gekostet. Nun suchten wir noch einen Restaurateur und Maler, zum das Boot noch auf Vordermann bringen zu lassen… für 35.000 CFA.

Am 12.01.2026 haben wir den Kaufvertrag unterschrieben, den Motor bestellt und den Maler beauftragt. Am Freitag, 16.01.2026 war es dann so weit, der Verkäufer brachte das frisch angestrichene Boot zu uns in den Hafen Foundiounge, kurze Zeit später kam per Auto der Motor, es fand die „Hochzeit“ statt. Wir haben noch ordentlich Reis, Kartoffeln, Zwiebeln, Wasser eingekauft, denn bei der offiziellen Übergabe am 17.01.2026 wollten wir mit dem ganzen Dorf zusammen feiern und essen. Das kam alles direkt ins Boot und auch die 12 Schulrucksäcke und das Kopierpapier (5 Kartons mit jeweils 2.500 Blatt) packten wir dazu, so lohnte sich die Jungfernfahrt auch direkt.

 

Am Samstag fuhren wir dann nach Mbelane, das sind mit dem Auto von Foundiounge aus ca. 45 Minuten Fahrt, dabei geht es 20 Minuten über eine normale Strasse und dann einfach irgendwo in die „Wildnis“ – einfach durch den Sand… an einem Dorf, einem 2., 3., 4. Dorf vorbei und dann mitten im Nichts kommt die Ansammlung einiger Häuser und Hütten – Mbelane. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser, ohne Autos, mit ein paar Pferde-/Esel-Kutschen und an einer Hand abzählbaren Mofas.

Wir sind zum Ufer des Saloum und wurden freudig empfangen von einer großen Deleation und jeder Menge Kindern. Nach dem Begrüßen kam das Boot angerauscht, tosender Applaus und Gesang – welch tolle Begrüßung für uns und das Boot. Wir machten eine Spritztour über den Fluss, das machte riesigen Spaß, der Motor schnurrt wie ein Kätzchen und das Boot rauscht nur so über das Wasser – einfach toll.

 

Jeder durfte nun mal eine Testfahrt machen, vor allem die Kinder waren Feuer und Flamme. Alle waren aufgeregt und stolz, nun so ein tolles Boot zu haben.

 

Nach der Bootsshow und Testfahrten ging’s zurück ins Dorf und wir haben die 12 Schüler der Abshclussklasse mit jeweils einem prall gefüllten Rucksack sowie die Schule mit Kopierpapier beschenkt (dazu haben wir noch einen weiteren Artikel geschrieben). Danach mussten wir leider fahren, da wir noch andere Termine hatten und nachts zum Flughafen und dann nach Deutschland zurück mussten. Die Dorfgemeinschaft hat groß gekocht und es gab noch eine Feier mit einem Festtagsessen für alle.

Nun noch ein paar Fakten und Erklärungen:

  • Das Boot hat offiziell Platz für 12 Personen plus Waren
  • Foundiounge ist ca. 7km über den Fluss entfernt und mit dem Boot in ca. 20 Minuten erreichbar
  • Ohne Auto müssen viele mit ihren Waren bis zu Straße durch die Sandpiste zumindest bis Djilor laufen, das sind ca. 15 km… und tagsüber bei ca. 35-40 Grad oder in der Regenzeit durch Wasser und Schlamm.
  • Einige aus dem Dorf arbeiten in den Nachbardörfern oder in Foundiounge, vor allem sind viele dort dienstags auf dem Markt und verkaufen ihre Erzeugnisse (Mille, Erdnüsse, Früchte, Meersalz)
  • Zum Einkaufen müssen sie nach Foundiounge oder Djilor (letzter Ort an der asphaltierten Straße)
  • Die Schulkinder der weiterführenden Schulen müssen in die Nachbardörfer ca. 3.5-4km laufen oder auch nach Foundiounge
  • Im Dorf gibt es eine (ziemlich erdrückend schlecht ausgestattete) Krankenstation, das nächste Krankenhaus ist in Foundiougne.

 

Mit dem Boot hat nun die Dorfgemeinschaft relativ einfach die Möglichkeit, sowohl Personen als auch Waren zu transportieren. Ob es nun um Verkäufe ihrer Erzeugnisse geht, um Geld zu verdienen oder um Einkäufe oder die Erreichbarkeit eines Arbeitsplatzes, um Geld zu verdienen oder einfach nur die Schüler zu ihrer Schule zu bringen, all das ist nun einfach möglich. Auch können sie Auftragsfahrten für Waren oder Personen durchführen, um etwas zusätzliches Geld zu verdienen oder auch fischen zur eigenen Ernährung und zum Verkauf. Falls jemand krank werden sollte, sind zudem nun das Krankenhaus oder Ärzte in Foundiounge erreichbar…. Und vieles mehr.

 

Zusammen mit den Mille-Maschinen hat das Dorf nun einige neue Möglichkeiten, in der Zukunft besser aufgestellt zu sein und ihre Zukunft selbst zu gestalten. Möglichkeiten, von denen sie vor einem Jahr niemals geträumt hätten, denn nur mit Eurer und Ihrer Unterrstützung können wir solch Projekte finanzieren und umsetzen. Ganz lieben Dank von uns, aber auch von jedem einzelnen Dorfbewohner!

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